Fazination Entlebucher

Faszination Entlebucher

Nachdem ich es in den ersten 25 Jahren unserer Ehe fertiggebracht hatte, den Hund aus dem Haus zu halten, begann unsere Liebe für diesen Vierbeiner etwa 1994. Früher hatte ich immer Angst vor Hunden und fand sie auch etwas fies. Ich hatte einen arbeitsreichen Beruf in leitender Position und war zusätzlich in unserem lokalen Vereinsleben aktiv. Ich hatte kaum Zeit für mich selbst. Und dann auch noch ein Hund? Und das alles auf Kosten meiner Frau Corry und drei heranwachsenden Kindern?-- Nein.
Aber auf einmal spielte sich etwas in meinem Kopf ab, ... es war im Dezember 1993. Ich saß vor dem Fernseher und sah die "Popla"-Reklame mir dem Golden Retriever Welpen und dem Klopapier, das im ganzen Haus verteilt war. Ich machte damals eine Bemerkung, die nicht auf taube Ohren stieß: "Falls ich jemals einen Hund haben möchte, dann möchte ich so einen haben." Mein Frau spürte, dass nun die Zeit gekommen war und besorgte unverzüglich Hundebücher. Um des lieben Friedens willen las ich Hundebücher und beguckte Hundebilder. Welcher Hund würde wohl zu diesem Angsthasen passen? ... Aufgrund seines Charakters und Aussehens landeten wir schließlich beim Entlebucher Sennenhund. Natürlich wollten wir ihn am liebsten am nächsten Tag schon haben. Wir telefoniertem mit dem Rasseverein und mussten uns sagen lassen, dass wir hierauf etwa drei Jahre warten müßten. Der Traum meiner Frau Corry drohte zu zerplatzen. Aber sie beließ es nicht dabei und wir suchten nach einer Alternative. Erschreckt Euch nicht, aber es wurde der Berner Sennenhund. Dieselben Farben und vom Charakter auch ein echter Familienhund und lieb zu Kindern. Nur die Größe wich um einiges ab!!

In den folgenden Tagen begaben wir uns auf die Suche nach einem Berner Sennenhundwelpen und landeten auf einem Zuchtbauernhof in Belgien. Fast wäre meine Frau darauf reingefallen. Glücklicherweise konnten wir uns gerade noch beherrschen, dieses Wollknäuel mit den lieben Augen nicht mitzunehmen. Wahrscheinlich wäre es in ein paar Jahren zu einem großen Haufen voll Sorge und Elend geworden. Das haben wir aber erst später gelernt. Wir besuchten einen Bauernhof in Dieteren, wo Pferde aus der Schweiz importiert wurden und auch Sennenhunde besorgt werden konnten. Als ich der Frau des Hauses meine Hand geben wollte, stand plötzlich ein lebensgroßer Berner aufrecht neben mir. Ich habe mir fast in die Hosen gemacht und meine Frau dachte: "Jetzt ist es vorbei". Eins führte zum anderen und es klappte. In der ersten Märzwoche 1994 konnten wir in Schaik in der Provinz Brabant einen Berner Sennenhundwelpen abholen. Nach fast 25 Jahre Ehe durfte der erste Hund in das Haus "van den Broek" in Linne Einzug halten. Es war Balder, ein Berner Sennenhundrüde ohne Stammbaum, denn was sollten wir damit? Und so begann es...

Da wir über Hunde nichts wussten, hielten wir es für wichtig, uns bei einer Hundeschule anzumelden, wo auch viel Theorie unterrichtet wurde, denn wir wollten mehr über Hunde wissen.
Wir landeten schließlich bei der Hundeschule von Martin Gaus in Roggel. Ein Treffer ins Schwarze. Dort fingen wir mit unserem 8 Wochen alten Welpen an. Ein Abenteuer fürs Leben hatte begonnen.

Balder lernte schnell und auch für uns eröffnete sich eine faszinierende Welt. So hätten wir niemals gewusst, dass ein Hund mit seinem ganzen Körper spricht. Auf diese Weise lernten wir die Körpersprache des Hundes zu verstehen. Nach dem Welpenkursus besuchten wir den Basiskurs von Martin Gaus: "In zehn Lektionen ein gehorsamer Haushund. Und in der Tat - es klappte. Wir arbeiteten in zehn Stunden das Theoriebuch durch, machten fleißig unsere Hausaufgaben, übten mit Balder und nach 4 Wochen haben wir ihn kaum wiedererkannt und hatten eine ganze Menge Hintergrundinformationen über Hunde erworben. Wie ein Hund lebt und lernt. Corry und ich bissen uns fest und besuchten auch noch den Aufbaukurs. Auch das wurde ein Erfolg. Wir erlebten unglaublich viel Spaß mit Balder und hätten nie gedacht, dass ein Hund so viel Entspannung bringen kann. Wir waren alle sehr glücklich ... aber trotzdem arbeitete die Tatsache, dass wir unsere erste Wahl - den "Entlebucher Sennenhund" - nicht hatten bekommen können, in unserem Unterbewußtsein weiter.

Ein Jahr später hörten wir, dass knapp hinter der Grenze in Tüddern in Deutschland ein Entlebucherwurf gezüchtet wurde, so dass wir die Züchter besuchten. Als wir klingelten und hinter der ertönte ein Gebell, dass von mehr als einem Entlebucher stammen musste. Als sich die Tür öffnete, schauten uns 4 grosse Berner, ein Entlebucher und ein Pudel an. Ja, und da mussten wir nun hinein. Mit einigem Zittern klappte es dann aber. Die Angst stieg wieder in mir hoch. Nach einem guten Gespräch wurde beschlossen, dass wir auf die Warteliste für den bevorstehenden Wurf von Bo vom Nylackerberg (gedeckt durch Kasper vom Solingerwald) kommen sollten. Am Königin-Tag, dem 30. April, kam der Wurf auf die Welt und wir hatten die erste Wahl für eine Hündin. Corry und ich hatten mittlerweile beschlossen, am Erhalt dieser seltenen Rasse mitwirken zu wollen.
Natürlich besuchten wir den Wurf jede Woche und nach 9 Wochen, genau an unserem 25. Hochzeitstag, bekam Corry ihren Entlebucher Amber von der Raderlinde.
Auch mit Amber besuchten wir ab der neunten Woche dieselbe Gaus-Schule. Zuerst zum Welpenkurs, dann zum Aufbaukurs. Was lernt ein Entlebucher doch schnell. Wir waren in unserem Element. Amber wuchs zusammen mit Balder in unserer Familie gut heran. Sie hatten beide einen festen Platz in unserer Familienkonstellation mit drei Kindern. Wir besuchten erneut den Basiskurs und wiederholten die Theorie. Das wurde schließlich zu einer guten Grundlage für die weitere Entwicklung unserer kynologischen Kenntnisse.
Um mit einem Entlebucher züchten zu dürfen, müssen strenge Regeln eingehalten werden. Eine der wichtigsten ist, dass der Hund gesunde Hüften haben muss. Aber weil Ambers Vorfahren gute Hüften hatten, machten wir uns darüber keine Sorgen. Wir gingen mit Amber zur HD-Untersuchung nach Zijst als sie 1 1/2 Jahre alt war. Aber die Hüften wurden nicht gutgeheißen. Sie hatte schwere HD. Das war ein großer Dämpfer für unsere Pläne und wir waren für einige Wochen zutiefst enttäuscht. Was nun?
Wir beschlossen, uns nach einer anderen Hündinn umzusehen. Wir waren mittlerweile Mitglied im SSV in Deutschland geworden und hatten das Vertrauen einiger deutscher Züchter gewonnen. Corry hatte sich sogar überlegt, direkt zwei Hündinnen auf einmal anzuschaffen, nur für den Fall, dass ...
Es klappte und wir kamen bei zwei Züchtern auf die Wachteliste. Am 8. Februar 1997 wurde Didde Sörine von der Transvaaler Höhe in Herten bei Recklinghausen, am 30. August 1997 Auke vom Sterkrader Forst in Oberhausen geboren. Zwischen den beiden Welpen lag ein Alterunterschied von einem halben Jahr. Das ist sehr wichtig für das Heranziehen der Welpen, denn zwei Welpen gleichzeitig großzuziehen, ist fast nicht möglich. Jammerschade, dass die Gaus-Schule wegen so grossem Erfolg die Pforten geschlossen hatte. Die zwei Instrukteure konnten dem Zulauf nicht mehr Herr werden. Darum gingen wir mit unseren Hunden zum KC Echt/Roermond und Umgebung. Aufbaukurse für Balder und Amber begannen mit Agility, Didde began mit dem Welpenkursus. Und ein halbes Jahr später kam Auke auch noch hinzu. Jeden Samstag Morgen waren wir von 9.00 bis 14.00 Uhr mit unseren Hunden beschäftigt. Zusätzlich wurde zu Hause weiter trainiert. Was für eine sportliche Betätigung. Unsere Hunde schafften eine Prüfung nach der anderen vom Welpenkurs bis GG3 und machten Agility zur Entspannung. Und die Herrchen? ... Die besuchten noch die Weiterbildung zum Erwerb der Kurse Kynologische Kenntnisse 1 und 2. Und so wurde aus einem Hunde-Angsthasen ein Hundenarr. Er wurde ein echter Kynologe mit einer besonderen Liebe für den Entlebucher. Und dieser Angsthase bringt nun als Instrukteur beim KC Echt/Roermond den Menschen den Umgang mit Hunden bei.
"Op het Craveld" wurden bislang sechs Würfe geboren. Balder ist im Oktober 2002 im Alter von fast neun Jahren verstorben. Jetzt leben in unserem Haus noch 3 Entlebucher: Belle-Elise, Coco und Rifca.
Wer hätte 1994 davon geträumt, geschweige laut gedacht, dass wir süchtig nach Hunden werden würden.